Eugen von Mazenod

Für die eigenen Ideale muss man kämpfen

Hunger, Elend, Straßenkämpfe und Flucht - für uns Jugendliche im wohlhabenden Deutschland kaum vorstellbar. Doch was bedeutet es für ein Kind, einen Jugendlichen wie Karl Joseph Eugen von Mazenod, der in einer Zeit lebte, als das Leben mit diesen Geschehnissen Tagesordnung war?

Eugen von Mazenod als junger Priester

Provenzalisch und adelig

Eugen von Mazenod wurde am 1. August 1782 in der südfranzösischen Stadt Aix-en-Provence als Sohn einer provenzalischen adeligen Familie geboren. Nachdem 1789 durch den Sturm auf die Bastille in Paris die Französische Revolution ausbrach, begann für die Mazenods eine Zeit der Angst und Unsicherheit. Als er acht Jahre alt war, musste die Familie ihre Heimat verlassen und nach Italien fliehen. Dass dieses Leben im Exil elf Jahre dauern würde, erschien damals unvorstellbar. Fluchtstationen ihrer langen Reise von 1791 bis 1802 waren u. a. Nizza, Turin, Venedig, Neapel und Palermo.

Saint Sulpice wird seine neue Heimat

In Sizilien wandte Eugen sich zunächst vom Glauben ab und kehrte am 24.Oktober 1802 nach Frankreich zurück, obwohl es noch unter der Herrschaft von Napoleon stand. Geprägt von den Erlebnissen im Kreise des Adels in Italien, versuchte er für sich und seinen Vater im nun liberalen Frankreich eine gesellschaftlich angesehene und unabhängige Zukunft aufzubauen. Aber dieser Plan scheiterte. Er musste den Niedergang der Kirche beobachten und so kam in ihm der Wunsch auf, Priester zu werden, um die Kirche in Frankreich, welche unter der Revolution sehr gelitten hatte, wieder aufleben zu lassen und sie dem Volk nahe zu bringen. Der Überlieferung zufolge sprang am Karfreitag des Jahres 1807 der entscheidende Funke während der Liturgiefeier über. Obwohl er sich immer noch nicht vollkommen sicher war, fühlte er dennoch eine gewisse Bindung zu Gott. Dieser Bindung nachgehend verließ er im Oktober 1808 abermals Aix und ging gegen den Willen seiner Mutter nach Paris, um im dortigen Seminar Saint Sulpice Theologie zu studieren. Schon drei Jahre später, am 21. Dezember 1811 empfing er in Amiens die Priesterweihe.

Eugen von Mazenod als Bischof von Marseille

OMI's auf allen Kontinenten

Zurückgekehrt in seine südfranzösische Heimat widmete er sein Priesterdasein besonders den Gefangenen, Jugendlichen  und der einfachen Landbevölkerung. Zusammen mit anderen Priestern predigte er das Wort Gottes nicht auf französisch sondern provenzalisch, die Sprache der einfachen Landbevölkerung. Am 25. Januar 1816 gründete er gemeinsam mit anderen Priestern die Gemeinschaft "Missionare der Provence". Doch bevor die Missionare in ihrer Arbeit auch päpstliche Anerkennung erhielten, musste Eugen dafür mehrere Jahre kämpfen. Zehn Jahre später, am 17. Februar 1826 bestätigte der damalige Papst Leo XII. die Gemeinschaft und gab ihr den Namen "Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria" - kurz: OMI. Deshalb gilt auch dieser Tag bis heute als Oblatenfeiertag. Eugen wurde zugleich zum ersten Generaloberen gewählt. Die eigentliche Weltmission der Oblaten begann aber erst 1841. Damals schickte Eugen  die ersten Missionare nach Kanada, Südafrika, Sri Lanka, England und den USA. Heute leben und arbeiten mehr als 4300 Oblaten auf allen Kontinenten der Welt.

Marseille im Aufschwung

Nachdem er schon 1824 nach Marseille übergesiedelt war und da bereits als Generalvikar der Diözese wirkte, wurde er 1832 in Rom zum Bischof geweiht. Damit trat er die Nachfolge seines Onkels, Bischof Fortunat, an. Aber erst 1837 konnte er dessen Nachfolge auch praktisch antreten, was bis dahin durch verschiedenste andere Pflichten/Aufgaben nicht möglich war. Er wurde damit Diözesanbischof von Marseille. Während seiner Amtszeit wuchs die Stadt um 200 000 Menschen. Allein diese Zahl lässt schon die großen Herausforderungen während seiner Zeit als Bischof absehen.

Eugen starb am 21. Mai 1861 im Alter von 79 Jahren. Noch auf seinem Sterbebett gab er eindringlich seine Botschaft an die umstehenden Menschen: "Übt untereinander die Liebe, die Liebe, die Liebe…und nach außen hin den Eifer für die Seelen!" Diese Liebe, diese Aufopferung für die Kirche und die Menschen, welche er sein Leben lang hinaus in die Welt trug, wurde ihm in dieser Stunde zuteil.

Oblaten sind heute auf allen Kontinenten im Einsatz

Prioritäten setzen

Zweifelsohne hat Karl Joseph Eugen von Mazenod bis zu seinem Tod für diese Liebe gekämpft. Auch während seiner schwierigen Jugend und auf der Flucht, welche eine harte Herausforderung für ihn war, hat er den wahren Glauben nie verloren. Wer träumt nicht als Kind oder Jugendlicher nicht von Geld und Gut? Auch Eugen hatte diese Gedanken. Doch letztendlich hat er sich für Gott und für die Menschen in Not entschieden.

Seine sterblichen Überreste ruhen in der von ihm erbauten Kathedrale am neuen Hafen in Marseille. Eugen von Mazenod wurde am 19. Oktober 1975 durch Papst Paul VI. selig und 20 Jahre später, am 3. Dezember 1995 durch Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen. 

Judith Wenk

Heilige Oblaten

Ausführliche Informationen über den heiligen Eugen von Mazenod und über andere heilige, bzw. selige Oblaten gibt es auf einer eigenen Homepage.