Wir wollen so leben wie ihr!

Wenn Jugendliche ein Kloster gründen

Sie müssen sich ziemlich verwundert die Augen gerieben haben, die spanischen Oblaten, als plötzlich einige junge Frauen zu ihnen kamen und ihnen mitteilten, sie wollten auch Oblaten werden. "Wir wollen so leben wie ihr", dieser Wunsch von acht 18- bis 20-jährigen Frauen, die gerade die Schule beendet hatten, nun in der Ausbildung oder im Studium standen, war alles andere als einfach. Es gab keine weiblichen Oblaten, weder in Spanien, noch sonst irgendwo in Europa. Nur in Paraguay hatte es einige Jahre zuvor eine Gemeinschaftsgründung gegeben, aber das war weit weg.

Missionarinnen aus Leidenschaft

Wenn es keine Oblatinnen gibt, dann müssen sie eben gegründet werden. Den jungen Frauen war das ganz klar und auch die Oblaten haben die Sache ähnlich gesehen. Was sollte man auch machen? Da standen nun acht Jugendliche und wollten so leben, wie es der heilige Eugen von Mazenod vorgelebt hatte. Diesem Wunsch durfte man sich nicht verschließen. Es gab kein langes Hin und Her, es wurde nicht bis ins Kleinste das Für und Wider abgewogen und erst recht wurden die Kandidatinnen nicht mit dem Satz "Werdet erstmal richtig erwachsen" abgespeist. Die Oblaten stellten ein Gebäude in der Nähe von Madrid zur Verfügung, in das die jungen Frauen einziehen und wo sie Gemeinschaftsleben ausprobieren konnten. Ein erster Schritt war es, eine Lebensordnung aufzustellen. Jede Gemeinschaft braucht so eine Regel, damit das Zusammenleben gelingen kann. Einen Monat lang haben sie sich mit der Ordensregel der (männlichen) Oblaten auseinandergesetzt, sie immer wieder gelesen, darüber nachgedacht und diskutiert. Was passt von diesem Text, der ja für einen Männerodern geschrieben wurde, für uns? Was müssen wir ändern, was können wir so übernehmen? Nach vier Wochen und einem Besuch der Oberin der Oblatinnen von Paraguay, die von ihren eigenen Erfahrungen erzählte, stand der Entschluss fest. Wir schreiben eine eigene Ordensregel im Sinne Eugen von Mazenods, eine Ordnung für unser Leben, die uns helfen wird, gemeinsam als Oblatinnen zu leben.

Diese Lebensordnung haben sie drei Jahre lang ausprobiert und gemeinsam gelebt, gearbeitet und gebetet. Nach dieser Testphase kam der nächste große Schritt. Der Bischof von Madrid hat ihre Gemeinschaft offiziell anerkannt. Damit ist ihr Zusammenleben nicht mehr nur eine Privatangelegenheit, sondern eine richtige Ordensgemeinschaft bischöflichen Rechts.

Die Oblatinnen aus Deutschland

Berufung in der Kirche

Das alles mag sich ziemlich weit weg anhören. Irgendwie so, als ob das eine Geschichte sei, die vor vielen Jahrhunderten stattgefunden hat, es ist aber gerade mal sieben Jahre her, dass die erwähnten jungen Frauen die Oblaten mit ihrem Anliegen überraschten. Heute ist aus dem Wunsch von Jugendlichen, wie Oblaten zu leben, eine richtige Ordensgemeinschaft geworden. Eine Gemeinschaft, die jung und dynamisch ist und mit ihrer Lebensfreude und ihrem Eifer richtig mitreißen kann. Mittlerweile haben sie bereits vier Niederlassungen, in denen die Oblatas schwerpunktmäßig in der missionarischen Pfarreiarbeit wirken, ein Exerzitienhaus in Pozuelo betreuen und neben Volksmissionen auch an der Jugendarbeit in Spanien und Deutschland teilnehmen. Auch drei junge, deutsche Frauen leben inzwischen mit zeitlichen Gelübden in der Gemeinschaft.

Für Abenteurer

Das, was diese Gemeinschaft für junge Frauen so interessant macht, ist wohl die Chance, etwas wirklich Neues zu beginnen. Sie versuchen, in Zusammenarbeit mit den Oblaten, den Geist des heiligen Eugen von Mazenods lebendig zu halten und so wie er wirklich mit voller Power den Menschen zu erzählen, dass Gott sie liebt. Das können sie als junge Gemeinschaft ganz ohne Denkverbote tun. Alles was sie machen ist für sie Neuland, das sie mit eigenen Ideen und eigenen Methoden betreten können. Die Oblaten können ihnen vielleicht manche Hilfe dabei geben und mit ihnen zusammenarbeiten, aber machen tun sie es selber und zwar jung, fröhlich und echt.

P. Christoph Heinemann (Artikel aus dem Weinberg)

Weitere Informationen

  • Aktuelle Neuigkeiten veröffentlichen die Oblatinnen in ihrem Blog (spanisch)