"Laudato si!"

Sonnengesang des Hl. Franziskus

Burlo/ Borken

Auch die Kirchenmusik kennt "Schlager". "Laudato si" ist so ein kirchenmusikalischer Evergreen - jedes Kind kennt ihn - neuerdings vorzugsweise aus dem Radio in einer verunstalteten Fassung für Ballermann und Co. Die Mutation eines ehrfürchtigen Lobgesanges in einen Partyfeger macht in besonders augenfälliger Weise den verloren gegangenen Bezug zum eigentlichen Inhalt des 800 Jahre alten Textes deutlich.

"Laudato si" -"Gelobt seist du!": Sonne, Mond und Sterne, Wasser Wind und Feuer preist der Heilige Franziskus in seinem Gebet, das als Sonnengesang bekannt geworden ist und die Vorlage zum ursprünglichen Liedtext darstellt. Es lobt die Schönheit der Schöpfung, aber auch die Kraft derjenigen, die verzeihen können, die Leid ertragen, die dem Tod entgegensehen. Vordergründig ein romantisches Lied des Franziskus über die Pracht der Natur, in Wirklichkeit ein Hymnus auf den Schöpfer von einem seiner Geschöpfe.

12 Stationen werden zum Weg

Einen etwas eingehenderen Blick haben die Kinder und Jugendlichen der Jugendbewegung "OMI-Kids" der Oblatenmissionare in Burlo auf dieses Gebet geworfen. Im Kontext ihres Jahresthemas "Leben" malten sie 12 Bild-Stationen, die künftig im Klostergarten der Oblatenmissionare als Meditationsweg hängen werden.

Das "DU" wollen sie erkennen

"Bei der Gestaltung der Bilder habe ich den OMI-Kids freie Hand gelassen und es war ein Genuss zu sehen, wie die Bilder entstanden sind", erzählt Pater Felix Rehbock OMI, Initiator der Aktion. In ihren Gruppenstunden haben die "Kids" mit dem Oblatenpater den Text besprochen, hinterfragt, verinnerlicht und schließlich Symbole und Bilder dazu gesucht, aus denen das spätere Gesamtkonzept entstanden ist. "Wichtig war mir, das die OMI-Kids ein Gespür für die Schöpfung Gottes bekommen, das "DU", also Gott, in seiner Schöpfung erkennen, um sich ihr gegenüber verantwortlich zu verhalten", erläutert P. Rehbock weiter und umreißt damit den christlichen Zugang zu einem Thema, das nicht erst mit der globalen Klimadebatte und dem Nobelpreis für Al Gore zu den zentralen kirchlichen Anliegen in der modernen Welt zählt.

In dieser Woche nun, werden die kleinen Kunstwerke durch die Kinder der OMI-Jugendbewegung selbst im Klostergarten aufgestellt. Sie laden ein zur Meditation und zur Betrachtung der Schöpfung Gottes. Christina (16) bekräftigt: "Wir möchten damit ALLE einladen - und zumal vermutlich eine größere Zahl der Leute eher selten religiöse Gedanken von Kindern sehen, möchten wir diese Menschen neugierig machen".

Eine Erklärung gibts in der Kirche

Im Wegverlauf bieten Natur, Bild und Text sich als "Weg-Begleiter" an, als "Denk-mal" im wörtlichen Sinne.

Menschen abholen, wo sie stehen, Wegbegleiter sein, nicht nur im Sinne dieses Rundwanderweges im Klostergarten, ist dabei ein Ziel, das die Oblatenmissionare in Burlo grundsätzlich verfolgen. In diesem Sinne verstehen sie den gestalteten Sonnengesang als eine andere Form religiöser Verkündigung, als Angebot für jedermann. Den OMI-Kids hat es Spaß gemacht, "und wir haben durch unsere Arbeit eine ganze Menge gelernt" so eines der OMI-Kids in Burlo. Also, herzliche Einladung an alle. Eine Erklärung der Kunstwerke finden Sie in der Klosterkirche St. Marien Burlo.

 

 

Sonnengesang des Heiligen Franziskus von Assisi

Erhabenster, allmächtiger, guter Herr

dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit

und die Ehre und jegliche Benedeiung.

 

Dir allein, Erhabenster, gebühren sie,

und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gepriesen seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,

zumal der Herrin, Schwester Sonne, denn sie ist der Tag,

und spendet das Licht uns durch sich.

Und sie ist schön und strahlend in großem Glanz.

Dein Sinnbild trägt sie, Erhabenster.

 

Gepriesen seist du, mein Herr,

durch Bruder Mond und die Sterne,

am Himmel hast du sie gebildet,

hell leuchtend und kostbar und schön.

 

Gepriesen seist du, mein Herr,

durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken

und heiteren Himmel und jegliches Wetter,

durch welches du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

 

Gepriesen seist du, mein Herr,

durch Schwester Wasser,

gar nützlich ist es und demütig

und kostbar und keusch.

 

Gepriesen seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,

durch das du die Nacht erleuchtest;

und es ist schön und liebenswürdig

und kraftvoll und stark.

 

Gepriesen seist du, mein Herr,

durch unsere Schwester, Mutter Erde,

die uns ernährt und lenkt

und mannigfaltige Frucht hervorbringt

und bunte Blumen und Kräuter.

 

Gepriesen seist du, mein Herr,

durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen

und Schwachheit ertragen und Drangsal.

Selig jene, die solches ertragen in Frieden,

denn von dir, Erhabenster, werden sie gekrönt.

 

Gepriesen seist du, mein Herr,

durch unseren Bruder, den leiblichen Tod;

ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.

 

Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.

Selig jene, die sich in deinem allheiligen Willen finden,

denn der zweite Tod wird ihnen kein Leides tun.

 

Lobet und preiset meinen Herrn

und erweiset ihm Dank

und dient ihm mit großer Demut.